Bericht: Kurt Bühler
Öfters wurde von Mitgliedern des LSB der Wunsch geäussert, eine Kreuzfahrt zu organisieren. Persönlich konnte ich dabei auf einen grossen Erfahrungsschatz zurückgreifen, aber mit einer Seniorengruppe von unbekannter Grösse? Nach Rückfrage mit Kreuzfahrtunternehmen konnte eine provisorische Reservation über 50 Teilnehmern, eineinhalb Jahre vor Reiseantritt vereinbart werden. Bereits bei der Vorerhebung wurden wir mit nahezu 90 Anmeldungen völlig überrascht.
Schlussendlich trafen sich mitten in der Nacht vom 19. September 103 Reiselustige an mehreren Haltestellen in Liechtenstein, um mit zwei Bussen Richtung Italien zu fahren. Nach einer erfrischenden Frühstückspause in Bellinzona ging es weiter mit dem Ziel Savona. Bereits auf der Hinfahrt kam das Thema auf, die Costa-App auf dem Handy zu installieren. Die Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere stellt dem Reiseteilnehmer ein App für das Mobiltelefon zur Verfügung, wo der gesamte Aufenthalt, angefangen mit den Eincheck-Daten auf dem Kreuzfahrtschiff.
Nach über 6½ Stunden Busfahrt erreichten wir Savona. Unser Schiff, die Costa Smeralda, war schon von weitem zu sehen. Leider waren wir nicht die Einzigen, die zum Schiffsterminal von Costa Crociere mussten. Über eine Stunde dauerten die restlichen 2km in der Stadt Savona und immer unser Kreuzfahrtschiff vor uns – die Vorfreude mischte sich mit Ungeduld, endlich auf das Schiff zu kommen. Nach einer Kontrolle aller Personalien und Buchungsangaben im Bus vor der Einfahrt zum Hafenterminal wartete bereits das Schiffspersonal, um unsere Koffer auszuladen und Richtung Schiffskabine zu befördern. Nach dem Einchecken im Hafenterminal, welches speditiv verlief, gelangten wir durch mehrere Sicherheitskontrollen auf die Costa Smeralda – was für ein Schiff mit über 6‘200 Personen (5‘200 Reiseteilnehmer und über 1‘600 Crewmitglieder)!
Nach kurzer Suche zur gebuchten Kabine (immerhin 2’612 Kabinen auf 18 Stockwerken), die Koffer wurden nach und nach vom Schiffspersonal in die Kabinen gebracht, konnte mit der Erkundung des Schiffes begonnen werden. Eine erste Verpflegung in einem der vielen Restaurants kam dabei gerade recht. Doch bereits wurde man mit dem nächsten Problem konfrontiert -vor dem Auslaufen des Schiffes muss jeder Passagier eine Notfallübung durchlaufen. Am effizientesten mit dem Costa-App….. Die meisten haben es schlussendlich doch geschafft, einen grünen Haken hinter der Notfallübung zu erreichen. Einem kleinen Rest konnte durch die unserer Gruppe zuständigen Betreuungsperson auf der gesamten Kreuzfahrt geholfen werden.
Nach den ersten 6 Stunden auf dem Schiff war bereits viel erkundet und das erste Abendessen wurde mit Neugier erwartet. Für unsere Reiseteilnehmer waren im Restaurant „La Colombina“ für die gesamte Reise zur ersten Essenszeit, Tische reserviert. Am Tisch sitzend und das erste Glas Wein zu kredenzen, stellte sich das nächste Problem ein: Für die Menüauswahl stand nur ein Barcode über das Costa-App zur Verfügung. Naja, das sehr freundliche und hilfsbereite Servicepersonal stellte dann nach und nach eine gedruckte Version des jeweiligen Menüangebotes – in deutscher Sprache – zur Verfügung. Mit der Auswahl von jeweils 3 Vorspeisen, 3 Primi Piatti, 3 Hauptgängen, 2 Desserts und einer Auswahl von klassischen Menüs, gab es für jeden Geschmack etwas. Nach dem Abendessen standen dann mehrere Bars, Musikangebote, Diskotheken und Unterhaltungsangebote zur Verfügung. Viele haben gar nicht bemerkt, dass das Schiff während des ersten Abendessens bereits den Hafen von Savona verlassen hat und Kurs Richtung Marseille genommen hat. Nach dem ersten Tag der Ungeduld, Umgang mit Neuem, und der Erkenntnis, dass ohne Costa-App nicht viel geht, beruhigten sich die Gemüter merklich.
Am nächsten Morgen erreichten wir um ca. 07:30 Uhr den Hafen von Marseille. Dank tadelloser und bemerkenswerter Logistik können die Tagesausflügler das Schiff verlassen und die zugewiesenen Busse einsteigen. Die allermeisten unserer Reisegruppe hatten das extra für den Liechtensteiner Seniorenbund zugeschnittene Ausflugspaket gebucht.
Mit dem Bus erreichten wir den Port Vieux. Entlang der Corniche Kennedy, einer eindrucksvollen Promenade bestiegen wir den Petit Train. Nach atemberaubenden Blicken auf die Inseln am Eingang von Marseille erreichten wir die Basilika Notre Dame de la Garde, eines der Wahrzeichen von Marseille. Der Petit Train brachte uns wieder zurück in den alten Hafen. Vor der Rückkehr zum Schiff stand noch etwas Freizeit zur Verfügung.
Am dritten Tag unserer Reise legte die Costa Smeralda im Hafen von Barcelona an. Der Hafen von Barcelona zählt zu den bedeutendsten Hafenstädten Europas und verbindet internationaler Handel, Kreuzfahrttourismus, Fischerei und Freizeit. Mit dem Panoramabus besichtigten wir den Plaça d'Espanya; Montjuic-Hügel, Casa Batlló, ehe wir in der Nähe der Sagrada Familia den Bus verlassen konnten. Zu Fuss ging es zur imposanten Basilika Sagrada Familia. Die Zeit reichte allerdings nur zu einer Aussenbesichtigung. Besichtigung von monumentalen Gebäuden von Gaudí durften natürlich auch nicht fehlen. Offiziell sind 6 davon UNESCO-Weltkulturerbe und befinden sich direkt in der Stadt.
Der vierte Tag führte uns nach Ibiza. In Ibiza waren keine gemeinsamen Ausflüge geplant. So erkundeten viele auf individueller Basis per Taxi, öffentlichem Bus, Shuttleservice von Costa oder mit dem Wassertaxi die Stadt Ibiza. Die Stadt Ibiza ist die Hauptstadt der gleichnamigen Balearen-Insel und teilt sich in zwei Teile auf: Die Oberstadt «Dalt Vila» ist eine komplett ummauerte Festungsstadt mit der Kathedrale «Santa Maria de les Neus». In der Unterstadt «La Marina» und «Sa Penya»: befinden sich heute unter den Mauern der Oberstadt, Bars, Restaurants, viele Märkte und Einkaufsläden, sowie der erste Hippy-Markt der Insel.
Den fünften Tag verbrachten wir auf See. Die Costa Smeralda benötigt von Ibiza nach Palermo einen Tag und zwei Nächte – Ruhe, Entspannung und Erholung auf dem Schiff. Die Gelegenheit, während dieses See-Tages hinter die Kulissen der Costa Smeralda zu schauen, wurde rege genutzt und war schnell ausverkauft. Diejenigen die es geschafft hatten, sich ein Ticket zu dieser Führung zu sichern, waren hell begeistert über die Organisation und Abläufe auf der Costa Smeralda.
Am sechsten Tag legte die Costa Smeralda in Palermo auf Sizilien an. Die Panoramabusfahrt führte uns auf den Monte Pellegrino zur Santuario di Santa Rosalia, die berühmteste Wallfahrtskirche von Palermo, eine in eine Felswand gehauene Kirche aus dem 17. Jahrhundert. Die Besichtigung der Kathedrale von Palermo war natürlich ein Muss. In der verbleibenden Freizeit konnten wir durch die Innenstadt mit ihren schmalen Gassen und unzähligen Gassen- oder Gartenrestaurants schlendern.
Am siebten und zweitletzten Tag legte die Costa Smeralda in Civitavecchia an. Mit einem Bus fuhren wir in das 80 km entfernte Rom. In der Stadt führte uns der Bus vorbei an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten wie der Pyramide von Rom, den Caracalla-Bädern, dem Circus Maximums, dem Kolosseum, dem Colle Oppio und Santa Maria Maggiore, Lungotevere und der Engelsburg. Am Ende der Panoramatour konnten wir zu Fuss das Vatikangebiet, mit dem Petersplatz erkunden. Hier hatten wir auch Freizeit zur Verfügung, um selbstständig den Petersdom oder die Innenstadt zu besuchen. Wir mussten uns jedoch rechtzeitig wieder für die Rückfahrt nach Civitavecchia zusammenfinden, wo die Costa Smeralda auf uns wartete.
Die letzte Nacht war geprägt von der Ausschiffung unserer Kreuzfahrt. Über 5'200 Passagiere innert wenigen Stunden vom Schiff zu bringen, bedarf einer ausgeklügelten Logistik. So erhielten alle Reiseteilnehmer des LSB ein Ausschiffungsticket mit derselben Farbe. Die Koffer mussten bis Mitternacht vor die Kabinentüre gestellt werden, ehe sie vom Schiffspersonal abgeholt und farbenweise im Hafenterminal zur Abholung bereitgestellt wurden. Die Passagiere, die in Savona ausstiegen, konnten das Schiff anhand der auf dem Ausschiffungsticket gekennzeichneten Farbe verlassen.
Kurz nach dem Verlassen der Costa Smeralda konnten die Koffer in die bereitstehenden Busse verladen werden. Mit vielen neuen Erfahrungen und Eindrücken fuhren die LSB-Reiseteilenehmer von Savona über Mailand, Chiasso, San Bernardino nach Liechtenstein. Gross war die Erleichterung, das nach dem Grenzübergang in Chiasso die Handys wieder «normal» funktionierten und viele den Frust mit dem Costa-App ablegen konnten. Die Erkenntnis, dass das digitale Leben nicht Stopp vor Rentnern macht, muss wohl akzeptiert werden.
Auch wenn es einige «Holperer» und «Aufreger» während der achttägigen Reise gab, war es eine schöne Kreuzfahrt mit vielen schönen Erlebnissen und neuen Freunden.
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